Achtzehn Prozent, kein Kandidat

Die AfD im Landkreis Deggendorf

Die AfD ist im Kreistag Deggendorf zweitstärkste Kraft, im Stadtrat der Kreisstadt ebenso, und hier sitzt ihre bekannteste bayerische Politikerin. Zur Landrats- und zur OB-Wahl trat sie trotzdem nicht an – anders als Bayernpartei und Linke.

Vier Kreisverbände habe ich bisher beschrieben, und jedes Mal ließ sich der Befund mit einer Schwäche erklären. Freyung-Grafenau war zu klein. Cham war zu zerstritten. Regen hatte keine zweite Reihe. Weiden hatte alles – Mitglieder, Mandate, Ortsverbände – und trotzdem dieselben Lücken. Bleibt ein letzter Einwand: Vielleicht sieht es anders aus, wo die AfD wirklich stark ist. Der Landkreis Deggendorf ist der Ort, an dem sich das prüfen lässt. Hier ist die AfD zweitstärkste Kraft im Kreistag. Hier ist sie zweitstärkste Kraft im Stadtrat der Kreisstadt. Hier sitzt die Frau, die die AfD-Fraktion im Bayerischen Landtag führt und seit Juli 2026 stellvertretende Bundessprecherin ihrer Partei ist. Und hier ist die Lücke am größten.

Eine Vorbemerkung in eigener Sache

Wie bei den vier Vorgängern schreibe ich von außen. Deggendorf ist von hier aus nicht weit, aber ich habe im Landkreis keine Kontakte, keine eigene Anschauung und keinen Zugang zu den Gremien. Katrin Ebner-Steiner hat mich vor längerer Zeit auf Facebook gesperrt.

Das ist bei diesem Text kein Problem: Alles Entscheidende steht in amtlichen Bekanntmachungen. Die Wahlleiterin des Landkreises Deggendorf hat das abschließende Ergebnis der Kreistagswahl mit den vollständigen Listen aller zehn Wahlvorschläge veröffentlicht, mit Beruf, Wohnort, angegebenen kommunalen Ehrenämtern und Stimmenzahl jedes einzelnen Bewerbers.1 Das Bayerische Landesamt für Statistik hat die Personenwahlen amtlich dokumentiert.2 Man muss nur hinschauen.

Zweitstärkste Kraft im Landkreis

Die Zahlen zuerst, denn sie sind beeindruckend.

Bei der Kreistagswahl am 8. März 2026 wurden im Landkreis Deggendorf 3.050.914 gültige Stimmen abgegeben und 60 Sitze vergeben. Davon entfielen:1

  • CSU: 1.106.122 Stimmen, 21 Sitze
  • AfD: 560.569 Stimmen, 11 Sitze
  • Freie Wähler: 528.939 Stimmen, 10 Sitze
  • SPD: 235.283 Stimmen, 5 Sitze
  • Junge Liste: 204.004 Stimmen, 4 Sitze
  • Grüne: 196.109 Stimmen, 4 Sitze
  • Bayernpartei: 81.659 Stimmen, 2 Sitze
  • Die Linke, ÖDP, FDP: je 1 Sitz

Die AfD kommt auf 18,4 Prozent und liegt damit vor den Freien Wählern. Sie ist im Kreistag Deggendorf die zweitstärkste Kraft – in einem Landkreis, in dem auf der CSU-Liste Landrat Bernd Sibler, Staatsminister Christian Bernreiter, Oberbürgermeister Christian Moser und Bundestagsabgeordneter Thomas Erndl kandidierten.1 So viel CSU-Prominenz hat die AfD hier nicht klein gehalten.

Im Stadtrat der Kreisstadt sieht es ähnlich aus: Die AfD holte 7 der 40 Sitze und wurde damit ebenfalls zweitstärkste Kraft, hinter der CSU mit 16.3

Der Kreisverband führt darüber hinaus Mandatsträger in den Stadträten Osterhofen und Plattling sowie in den Gemeinderäten Aholming, Bernried, Künzing, Oberpöring, Schöllnach und Winzer.4 Mit Deggendorf sind das neun der 26 Städte, Märkte und Gemeinden des Landkreises.5

Bis hierhin ist das eine Erfolgsgeschichte ohne Einschränkung.

Die Wahl, zu der sie nicht antrat

Am selben 8. März wurde im Landkreis Deggendorf auch der Landrat gewählt. Das amtliche Endergebnis des Bayerischen Landesamts für Statistik weist drei Bewerber aus: Bernd Sibler (CSU) mit 43.237 Stimmen und 73,1 Prozent, gewählt. Thomas Pfeffer (Bayernpartei) mit 10.990 Stimmen und 18,6 Prozent. Melanie Falkowski (Die Linke) mit 4.937 Stimmen und 8,3 Prozent.2

Das ist die vollständige Liste. Die AfD trat nicht an.

Und in der Kreisstadt: Bei der Oberbürgermeisterwahl standen ebenfalls drei Namen auf dem Stimmzettel – Christian Moser für CSU und Junge Liste mit 66,6 Prozent, Josef Vogl für die Deggendorfer WählerGemeinschaft mit 18,0 Prozent und Christian Heilmann-Tröster für die Grünen mit 15,5 Prozent.6 Auch hier keine AfD.

Man muss sich klarmachen, was das heißt. Die zweitstärkste Kraft im Kreistag hat sich nicht um das Landratsamt beworben. Die zweitstärkste Kraft im Stadtrat hat sich nicht um das Oberbürgermeisteramt beworben. In beiden Fällen taten es andere, die ungleich schwächer sind: Die Bayernpartei hat zwei von sechzig Kreistagssitzen und schickte einen Landratskandidaten ins Rennen. Die Linke hat einen Sitz und schickte eine Kandidatin. Die Deggendorfer WählerGemeinschaft hat einen einzigen Stadtratssitz und stellte einen OB-Kandidaten.3

Das war schon in Weiden so, dort in beiden Landkreisen. In Cham dagegen stellte die AfD mit Christl Fischer eine eigene Landratskandidatin auf. In Deggendorf wiegt es schwerer, weil die AfD hier nicht bloß eine relevante Partei ist, sondern die zweitstärkste. Und weil sie mit Katrin Ebner-Steiner eine Politikerin hat, deren Partei sich in Bayern selbst als Oppositionsführer bezeichnet.4

Was die Bayernpartei daraus machte

Die interessanteste Zahl der ganzen Wahl entsteht aus dieser Lücke.

Die Bayernpartei erreichte bei der Kreistagswahl 81.659 Stimmen – 2,7 Prozent. Ihr Landratskandidat Thomas Pfeffer, Heimleiter, Kreisrat und Gemeinderat aus Lalling, holte bei der Landratswahl 18,6 Prozent.12

Das ist fast genau der Anteil, den die AfD im Kreistag hat: 18,4 Prozent.

Ich will daraus keine Kausalität konstruieren – Pfeffers Ergebnis speist sich auch aus Unzufriedenheit mit der CSU und aus seiner eigenen Bekanntheit. Aber die Größenordnung ist bemerkenswert. Wo kein AfD-Angebot auf dem Stimmzettel steht, findet ein Teil der Unzufriedenen ein anderes. Und die AfD, die dieses Feld für sich reklamiert, hat es an diesem Tag kampflos abgegeben.

Für einen Verband, der den Landkreis führen wollte, wäre das ein Debakel. Für einen Verband, der Opposition sein will, ist es folgerichtig.

Zwanzig Namen für sechzig Plätze

Die zweite Lücke ist die bekannte.

Für die 60 Kreistagssitze stellten die Parteien folgende Listen auf:1

  • CSU, Freie Wähler, Grüne, Junge Liste, Bayernpartei: je 60 Bewerber
  • SPD: 59
  • ÖDP: 31
  • FDP: 24
  • AfD: 20
  • Die Linke: 16

Zwanzig Namen für sechzig Plätze, die zweitkürzeste Liste im Feld. Die AfD holte elf Mandate, es blieben ihr neun Listennachfolger. Ausgeschöpft wäre die Liste bei rund einem Drittel der Stimmen gewesen.

Das ist kein Einzelfall mehr, sondern die Regel dieser Serie: 20 Bewerber in Freyung-Grafenau, 17 in Cham, 23 in Regen, 17 in Tirschenreuth, 19 in Neustadt an der Waldnaab, 20 in Deggendorf – bei sehr unterschiedlicher Verbandsstärke.

In der Ehrenamts-Spalte sieht es hier allerdings anders aus als in der Oberpfalz. Von den elf gewählten AfD-Kreisräten hatten sieben vor der Wahl bereits ein kommunales Mandat angegeben – Ebner-Steiner als Kreisrätin und Landtagsabgeordnete, Alfred Ortmann als Kreisrat und Stadtrat, Stefan Pertschy als Kreisrat, Corinna Ortmann als Stadträtin, Georg Draxinger als Kreisrat, Petra Weileder als Bezirksrätin und Stadträtin, Leopold Till als Stadtrat.1 Das ist echte kommunale Erfahrung, und sie unterscheidet Deggendorf klar von Tirschenreuth, wo keiner der siebzehn Bewerber ein Ehrenamt angegeben hatte.

Nur: Bei den neun Listennachfolgern steht bei keinem einzigen etwas. Die Angabe ist freiwillig, eine leere Spalte beweist also nichts.7 Aber sie zeigt, wo die Erfahrung endet: bei den ersten sieben Namen.

Drei Stimmen für jeden

Und dann ist da etwas, das mir erst beim Nachrechnen aufgefallen ist.

Bei bayerischen Kreistagswahlen hat jeder Wähler so viele Stimmen, wie Sitze zu vergeben sind – hier also 60. Er kann sie einzeln vergeben, einem Bewerber bis zu drei geben, über Listen hinweg verteilen – oder einfach das Listenkreuz setzen. Dann erhält jede Zeile der angekreuzten Liste eine Stimme. Eine Partei darf einzelne Bewerber aber bis zu dreimal auf den Wahlvorschlag schreiben.8 So füllen 20 Namen, jeder dreifach aufgeführt, alle 60 Zeilen. Dass die AfD genau das getan hat, zeigen die Stimmenzahlen: Alle 20 Bewerber liegen in einer einzigen, eng beieinanderliegenden Gruppe, und nur bei dreifacher Aufführung reichen 20 Namen für 60 Stimmen. Wer das AfD-Listenkreuz setzte, gab also jedem ihrer Bewerber drei Stimmen – bereits das Maximum.

Das hat eine Folge, die man leicht übersieht. Wer als AfD-Wähler alle 60 Stimmen seiner Partei gibt, kann innerhalb der Liste gar nicht mehr sortieren: Jeder Bewerber hat ohnehin schon drei. Hervorheben lässt sich jemand nur, indem man andere streicht. Bei einer vollen Liste dagegen kann man seinen Bürgermeister verdreifachen und den Rest bei einer Stimme lassen.

Entsprechend sehen die Ergebnisse aus:19

  • AfD, 20 Bewerber: höchster Wert 36.585 (Ebner-Steiner), niedrigster 23.633. Verhältnis 1,55 zu 1.
  • CSU, 60 Bewerber: höchster Wert 63.291 (Landrat Sibler), niedrigster 8.713. Verhältnis 7,26 zu 1.
  • Freie Wähler, 60 Bewerber: höchster Wert 23.978, niedrigster 4.064. Verhältnis 5,9 zu 1.

Der Variationskoeffizient, ein Maß für die Streuung innerhalb einer Liste, liegt bei der AfD bei 10,8 Prozent, bei der CSU bei 53,5 und bei den Freien Wählern bei 44,7 Prozent. Ein großer Teil dieses Unterschieds ist in der dreifachen Aufführung eingebaut. Ob AfD-Wähler häufiger nur das Listenkreuz gesetzt haben als andere, lässt sich daraus nicht sicher ablesen.

Sicher ablesen lässt sich etwas anderes: Die kurze Liste lässt jeden einzelnen Namen stärker aussehen, als er ist. Der letzte Listennachfolger der AfD, ein Rentner aus einem Osterhofener Ortsteil, hat 23.633 Stimmen – mehr als der zweitbeste Kandidat der Freien Wähler, ein amtierender Bürgermeister mit 18.296.1 Das sieht nach Zustimmung aus. Es ist eine Rechenoperation.

Elf Kreisräte, zehn Doppelmandate

Die nächste Auffälligkeit ergibt sich aus der Mandatsträgerliste des Kreisverbands selbst.4

Von den elf AfD-Kreisräten haben zehn ein weiteres Mandat: Ebner-Steiner sitzt im Landtag, Alfred Ortmann, Stefan Pertschy, Corinna Ortmann und Leopold Till im Stadtrat Deggendorf, Georg Draxinger und Petra Weileder im Stadtrat Osterhofen, Weileder außerdem im Bezirkstag Niederbayern, Wolfgang Mader im Gemeinderat Aholming, Petra Kersten im Gemeinderat Bernried, Michael Hallstein im Gemeinderat Schöllnach. Der Einzige ohne weiteres Mandat ist Karl Meuter, Kfz-Mechaniker aus Aholming.

Für sich genommen ist das in Bayern nichts Ungewöhnliches – auch auf der CSU-Liste tragen fast alle Gewählten ein kommunales Amt.1 Auffällig ist die Kombination mit dem vorigen Befund: Die Verankerung ist echt, aber sie liegt bei einem kleinen Kreis von Menschen, die mehrere Ämter zugleich tragen. Dahinter kommt wenig.

Dazu kommen Namensgleichheiten in den amtlichen Listen und der Mandatsträgerübersicht: Alfred und Corinna Ortmann, beide Kreistag und Stadtrat Deggendorf. Karl Meuter im Kreistag, Margit Meuter als Listennachfolgerin, beide Aholming. Petra Weileder als Kreisvorsitzende, Bezirksrätin und Stadträtin, Thomas Weileder im Stadtrat Osterhofen.14 Ob die Namensgleichheit Verwandtschaft bedeutet, geht aus den Unterlagen nicht hervor.

Die Prominenteste auf Platz zwei

Katrin Ebner-Steiner ist die mit Abstand prominenteste Person dieser ganzen Serie. Sie sitzt seit 2018 im Landtag, ist seit 2023 Vorsitzende der AfD-Landtagsfraktion, seit 2022 Bezirksvorsitzende in Niederbayern und seit 2026 stellvertretende Bundessprecherin sowie stellvertretende Landesvorsitzende.10 In den Bundesvorstand wurde sie im Juli 2026 ohne Gegenkandidatin mit 55,7 Prozent gewählt; sie gilt in der Berichterstattung als Vertraute Björn Höckes.1112 Auf ihrer eigenen Website beschreibt sie, sie sei „Kreisvorsitzende der AfD in Deggendorf geworden“, weil es gerade in den Kommunen Spielräume der Mitgestaltung gebe.13

Kreisvorsitzende ist sie heute nicht. Den im Mai 2026 gewählten Kreisvorstand führt Petra Weileder, Metzgereifachverkäuferin aus Osterhofen-Altenmarkt; Ebner-Steiner ist 1. stellvertretende Vorsitzende.4

Ich weiß nicht, was dahintersteckt, und will es auch nicht erraten. Es kann Entlastung sein – wer Fraktion, Bezirk, Landesverband und Bundesvorstand bedient, hat wenig Zeit für einen Kreisverband. Es kann etwas anderes sein. Festhalten lässt sich: Die bayerische AfD-Politikerin mit dem höchsten Parteiamt steht in ihrem Heimatverband auf Platz zwei, und die Vorsitzende ist diejenige, die unter allen Deggendorfer AfD-Mandatsträgern die meisten kommunalen Mandate auf sich vereint.

Der Mandatsträger in Brüssel

Ein Detail zum Schluss, das ich beim Durchgehen der Kreisverbands-Website gefunden habe und das die Serie unerwartet zusammenbindet.

Unter „Unsere Mandatsträger“ führt der AfD-Kreisverband Deggendorf neben Landtag, Bezirkstag, Kreistag und den Kommunalgremien auch eine Rubrik „EU-Parlament“. Dort steht ein Name: Petr Bystron.4 Warum ein Europaabgeordneter aus München hier als Mandatsträger geführt wird, erklärt die Seite nicht.

Bystron war von 2017 bis 2024 Bundestagsabgeordneter und ist seit Juli 2024 Mitglied des Europäischen Parlaments. Das Parlament hat seine Immunität dreimal aufgehoben.14 Die Generalstaatsanwaltschaft München ermittelt gegen ihn wegen des Verdachts der Bestechlichkeit und der Geldwäsche im Zusammenhang mit der prorussischen Plattform „Voice of Europe“; hinzu kamen Vorermittlungen wegen Betrugs, weil er als Bundestagsabgeordneter eine private Reinigungskraft über die Mitarbeiterpauschale abgerechnet haben soll.1514 Bystron weist die Vorwürfe zurück und nennt die Verfahren politisch motiviert. In diesen Verfahren ist mir kein Urteil bekannt. In einem anderen Verfahren, wegen einer Fotocollage, sprach ihn das Landgericht München I im Mai 2026 in zweiter Instanz frei.16

Und die Verbindung: Als Bystron im Juli 2024 aus dem Bundestag ausschied, rückte für ihn Manfred Schiller nach – der Weidener AfD-Politiker, um den es im Weiden-Teil dieser Serie ging.17 Der Deggendorfer Kreisverband führt den Mann, dessen Bundestagsmandat nach Weiden ging, auf seiner Website als eigenen Mandatsträger.

Was Deggendorf zeigt

Am Anfang stand der Einwand, die Befunde der ersten vier Artikel könnten an der Schwäche der jeweiligen Verbände liegen. Deggendorf räumt ihn ab.

Dieser Kreisverband ist nicht schwach. Seine bekannteste Politikerin führt die AfD-Fraktion im Bayerischen Landtag und sitzt im Bundesvorstand. Er ist in neun von 26 Kommunen mit Mandaten vertreten. Er ist zweitstärkste Kraft im Kreistag und im Stadtrat der Kreisstadt. Seine Kreisräte haben zu einem guten Teil kommunale Erfahrung. Er hält monatliche Stammtische ab und betreibt eine gepflegte Website.4

Und er hat Lücken, die auch die anderen haben:

Die Liste ist zu kurz – 20 Namen für 60 Sitze, die zweitkürzeste im Feld. Es gibt keine Bewerbung um ein Exekutivamt – weder Landrat noch Oberbürgermeister, obwohl Bayernpartei, Linke und eine Wählergemeinschaft mit einem einzigen Stadtratssitz es taten. Und hinter den ersten sieben Namen mit kommunaler Erfahrung kommt eine Reihe, über die die Wahlunterlagen nichts weiter sagen.

Fünf Kreisverbände, fünf verschiedene Ausgangslagen, ein wiederkehrendes Muster: zu wenige Menschen für die Listen überall, Bewerbungen um Exekutivämter nur vereinzelt – eine Landratskandidatin in Cham, Bürgermeisterkandidaten in Regen und Viechtach, ein Oberbürgermeisterkandidat in Weiden. Das ist kein Zufall mehr und keine regionale Eigenheit. Meine Lesart: Es ist die Bauweise.

Eine Partei, die auf Ämter zielt, braucht Menschen, die im Ort bekannt sind, die bereit sind, sich einer Direktwahl zu stellen und zu verlieren, und genug davon, um eine Liste zu füllen. Eine Partei, die auf Stimmen zielt, braucht das alles nicht. Sie braucht ein Kürzel auf dem Stimmzettel und genug Unzufriedenheit.

Bernd Sibler ist mit 73,1 Prozent Landrat geblieben, Christian Moser mit 66,6 Prozent Oberbürgermeister. Ihnen gegenüber sitzen elf beziehungsweise sieben AfD-Mandatsträger in der Rolle der Opposition.

Das ist ein Arrangement, mit dem beide Seiten leben können. Nur sollte niemand es mit dem Anspruch verwechseln, es besser zu machen. Wer es besser machen will, bewirbt sich um das Amt. Am 8. März 2026 haben das im Landkreis Deggendorf unter anderen ein Heimleiter aus Lalling getan, eine Kinderkrankenpflegerin aus Künzing und ein Kandidat einer Wählergemeinschaft mit einem einzigen Stadtratssitz.

Die zweitstärkste Kraft war nicht dabei.


  1. Die Wahlleiterin des Landkreises Deggendorf: „Bekanntmachung des abschließenden Ergebnisses der Wahl des Kreistags am 08. März 2026“, festgestellt am 24.03.2026, Deggendorf, 25.03.2026, nebst Anlage mit allen Gewählten und Listennachfolgern, https://www.landkreis-deggendorf.de/media/66606/bekanntmachung-des-abschliessenden-ergebnisses-der-wahl-des-kreistags.pdf 

  2. Bayerisches Landesamt für Statistik, Kommunalwahlen 2026, endgültiges Ergebnis, „271 Deggendorf, Lkr. – Wahl zum Landrat“, https://kommunalwahl2026.bayern.de/personenwahl/271.html 

  3. Stadt Deggendorf, Stadtzeitung Ausgabe 01/2026, „Vorläufige Wahlergebnisse Kommunalwahl in der Stadt Deggendorf“ (CSU 16, AfD 7, Freie Wähler 4, Grüne 4, SPD 2, Junge Liste 2, WAN 2, FDP 1, DWG 1, Die Linke 1), https://www.deggendorf.de/media/Stadtzeitung_2026_01_WEB.pdf; ergänzend Stadt Deggendorf, „Stadtrat“, https://www.deggendorf.de/rathaus/politik/wahlen/stadtrat 

  4. AfD-Kreisverband Deggendorf, Startseite mit den Rubriken „Unsere Mandatsträger“, „Der Kreisvorstand der AfD Deggendorf – Wahl im Mai 2026“ und der Selbstdarstellung der Landtagsfraktion, Seitenstand 17.08.2026, https://afd-deggendorf.de/ 

  5. Landratsamt Deggendorf, Amtsblatt Nr. 02 vom 31.01.2025, Einwohnerzahlen der Gemeinden des Landkreises Deggendorf, https://www.landkreis-deggendorf.de/media/59724/amtsblatt_nr02_31012025.pdf 

  6. Bayerisches Landesamt für Statistik, Kommunalwahlen 2026, endgültiges Ergebnis, „271119 Deggendorf, GKSt. – Wahl zum Oberbürgermeister“, https://kommunalwahl2026.bayern.de/personenwahl/271119.html 

  7. Bayerisches Landesamt für Statistik: Muster Anlage 4 zu §§ 30 bis 32 GLKrWO (Wahlvorschlag), Fußnote zu den Angaben der Bewerber: kommunale Ehrenämter als „mögliche weitere Angabe“, https://www.statistik.bayern.de/mam/wahlen/kommunalwahlen/glkrwo_anlage_4.pdf 

  8. Art. 25 Abs. 4 GLKrWG: Bewerber können bis zu dreimal im Wahlvorschlag aufgeführt werden, dreifach Aufgeführte vor zweifach und einfach Aufgeführten; dazu Landeshauptstadt München, „Kommunalwahl – Wahlvorschlag einreichen“, https://stadt.muenchen.de/infos/kommunalwahl-wahlvorschlag-einreichen.html. Zum Listenkreuz, bei dem jede aufgeführte Person in der Reihenfolge der Liste eine Stimme erhält: Bayerisches Staatsministerium des Innern, für Sport und Integration, „Kommunalwahlen in Bayern“, https://www.stmi.bayern.de/wahlen-und-abstimmungen/kommunalwahlen/. Die dreifache Aufführung aller 20 AfD-Bewerber ist aus den amtlichen Stimmenzahlen erschlossen, nicht am Stimmzettel geprüft. 

  9. Eigene Berechnung auf Grundlage der in Fußnote 1 genannten amtlichen Bewerberlisten. Der Variationskoeffizient ist die Standardabweichung geteilt durch den Mittelwert; er misst, wie stark die Einzelergebnisse innerhalb einer Liste auseinanderliegen. Die Summen der Einzelstimmen stimmen mit den amtlichen Listenstimmen überein. 

  10. Bayerischer Landtag, Abgeordnetenprofil Katrin Ebner-Steiner, https://www.bayern.landtag.de/abgeordnete/abgeordnete-von-a-z/profil/katrin-ebner-steiner/ 

  11. Wikipedia: „Bundesparteitag der AfD 2026“ (Wahlergebnisse der stellvertretenden Bundessprecher), https://de.wikipedia.org/wiki/Bundesparteitag_der_AfD_2026 

  12. Über Rechts: „AfD-Parteitag 2026: Die jüngste Altpartei Deutschlands“, 05.07.2026, https://www.ueberrechts.de/p/afd-parteitag-2026; ergänzend Wikipedia: „Katrin Ebner-Steiner“ mit Nachweisen aus n-tv und Welt, https://de.wikipedia.org/wiki/Katrin_Ebner-Steiner 

  13. Katrin Ebner-Steiner, persönliche Website, https://katrin-ebner-steiner.de/; wortgleich auf ihrem Profil bei abgeordnetenwatch.de 

  14. taz: „AfD-Politiker Petr Bystron: Hausputz auf Kosten der Steuerzahler:innen?“, Februar 2026, https://taz.de/AfD-Politiker-Petr-Bystron/!6153644/ 

  15. abgeordnetenwatch.de: „Korruptionsverdacht gegen Petr Bystron: Ermittlungen seit Monaten blockiert“, 13.02.2025, fortlaufend aktualisiert, https://www.abgeordnetenwatch.de/recherchen/korruption/staatsanwaltschaft-kann-seit-monaten-nicht-gegen-afd-politiker-bystron-ermitteln 

  16. Legal Tribune Online: „‚Hitlergruß‘-Collage: LG spricht AfD-ler Bystron frei“, 07.05.2026 (LG München I, Urt. v. 07.05.2026, Az. 18 NBs 118 Js 133783/23), https://www.lto.de/recht/nachrichten/n/18-nbs-118-js-133783/23-petr-bystron-doch-keine-hitlergruss-collage-freispruch 

  17. Deutscher Bundestag, archivierte Biografie Manfred Schiller (20. Wahlperiode): Erwerb der Mitgliedschaft am 23. Juli 2024 für den ausgeschiedenen Abgeordneten Petr Bystron, https://www.bundestag.de/webarchiv/abgeordnete/biografien20/S/schiller_manfred-861168 

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